Erweiterung Schule Steig, Rorschacherberg

Studienauftrag selektiv 2020, Endauswahl 1 / 2 

Das heutige Schulareal liegt im nördlichen Zentrum von Rorschacherberg. Es bildet den Abschluss einer durchgängigen Reihe öffentlich genutzter Liegenschaften, zu welchen auch das Feuerwehrdepot auf gleichem Geviert gehört. Der Projektperimeter ist geprägt durch seine Hanglage, welche grosszügig die Aussicht über den Bodensee im Norden freigibt. Die südlich angrenzende Autobahn trennt das Schulgelände vom obenliegenden Wohngebiet und ist insbesondere akustisch ständig präsent.

Den ersten Eckstein der heutigen Bebauung bildet das „Alte Schulhaus“ aus 1916 im höchstgelegenen östlichen Bereich. Die Schulbebauung entwickelte sich in den 60er- bis 90er-Jahre mehrfach über das ganze Areal. Das abgewinkelte Eckgebäude im Nordwesten bildet heute das Gesicht der Anlage zur Hauptankunftsseite. Fertiggestellt ca. 1984 ist die Architektur der 70er Jahre deutlich ablesbar.

Das Raumprogramm wird in zwei topografisch eingebetteten Neubauvolumen vorgeschlagen, welche mit dem bestehenden Winkelbau eine Einheit bilden. Die allseitig zu kleine Turnhalle wird zu Gunsten eines haushälterisch kleinen Fussabdrucks und einer zusammenhängenden Bebauung zurückgebaut. Das Alte Schulhaus und der heutige Realschulflügel bleiben in ihrer Eigenständigkeit ebenso erhalten, wie die grosszügigen Freiräume Rasenspielfeld und Hartplatz. Der schulische Neubau springt nordseitig vor, wodurch der angebundene Bestand abgeschlossen und der Zentraleingang ablesbar definiert wird. Die neue Turn- und Mehrzweckhalle ist in den topografischen Übergang zwischen Rasenspielfeld und Pausenbereich im Südwesten eingebunden. Die heute schwierige Situation zwischen den beiden Hauptebenen der Umgebung wird in selbstverständlicher Weise gelöst. Auf Niveau Rasenspielfeld entsteht über das Absetzen der Turnhalle und den nördlichen Hartplatz räumliche Durchlässigkeit zwischen den bewusst unterschiedlich charakterisierten Aussenräumen. Die Dimensionen des schulischen Neubaus erhalten den Bezug des Rasenspielfeldes und des Realschulflügels auf den Bodensee.

Der schulische Neubau beinhaltet den Zentraleingang der Anlage als multifunktionale Halle. In dessen Peripherie liegt der Lehreraufenthalt mit Übersicht auf den Hauptzugang und über kurze Wege aus allen Bereichen zugänglich. Der erste Cluster im Westen nutzt die bestehende Raumstruktur. Über den zentralen Erschliessungskern ist der obenliegende Cluster 2 zu erreichen. Dieser setzt sich aus den drei bestehenden Haupträumen sowie drei neuen Klassen zusammen, was einen niveaugleichen Cluster mit minimalem Fussabdruck ermöglicht. Über die gegenüberliegende Anordnung und den zentralen Lernraum stehen die beiden Klassenblöcke miteinander im Austausch. Die vorgelagerte Lernlandschaft richtet sich je hälftig zum Bodensee und zum niveaugleichen Grünraum im Süden. Die vielfältigen Qualitäten des Areals können damit innerhalb der Hauptnutzung ausgeschöpft werden und gerade die Aussicht auf den Bodensee. Die Lernlandschaft wird im Bestand von unklaren Strukturen befreit und neu über einen aussenliegenden Helix entfluchtet. Im Geschoss darüber sind mit der zusätzlichen Schulküche und dem neu ausgestatteten Labor die hochinstallierten Bereiche untergebracht, wodurch aufwändige Neuerschliessungen im Bestand vermieden werden können.

Ebenfalls über den Zentraleingang ist die Turn-/Mehrzweckhalle erschlossen, wobei einer ausserschulischen Belegung über ein einfaches Schliesskonzept zu entsprechen ist. Die bestehenden Strukturen aussen (Parkplatz / Zufahrt) und innen (Garderoben) können weitergenutzt werden. Die Disposition des Neubaus erlaubt eine grosszügige Belichtung, welche auch der Mehrzwecknutzung entspricht. Durch die Auslegung der Turnhalle auf die geforderten 300 Personen kann der Mittagstisch mit halb so grosser Belegung über einfache Anpassungen in der heutigen Aula verbleiben.

Der aktuelle Realschulflügel wird für die Werkräume sowie den Cluster 3 sanft umgerüstet.

Die Eingriffe der Umgebung konzentrieren sich insbesondere auf den heute wenig genutzten Bereich des Rasenspielfelds. Über den zentralen Erschliessungskern und die gedeckten Aussenbereiche des Neubaus wird der Grünraum erschlossen. Eine neue Wegführung mit beschatteten Sitzgelegenheiten lädt zum Aufenthalt ein und bietet Weitsicht über den Bodensee ohne dabei die Nutzungsflexibilität der Umgebung einzuschränken. Sanfte Eingriffe wie die Ertüchtigung im Baubereich und ergänzende Pflanzungen durch einheimische Gehölze frischen den Grünraum auf und sorgen für eine höhere Biodiversität und ein besseres Mirkoklima. Dem Schutzinventar wird mit dem Erhalt der stattlichen Robinie und dem Biotop im Südwesten Rechnung getragen. Die Parkierung und die befestigte Durchwegung werden erhalten und nur im Bereich der Aula-Zulieferung ertüchtigt, was dem Kostenrahmen entgegenkommt.